Freitag, 20. April 2018
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Teller statt Tonne

 

Aktionstag „Teller statt Tonne" der 11GH2 mit Slowfood Deutschland und der Kommune Niederkaufungen

Slow Food – Was ist das? Diese Frage haben wir uns als Klasse in gastronomischen Ausbildungsberufen gestellt und wollten die Antwort nicht nur recherchieren, wir wollten sie am eigenen Leib erfahren. Wir wussten bereits, dass Slow Food eine Gegenform zum Fastfood ist und sich um die Erhaltung der regionalen Küche mit heimischen pflanzlichen und tierischen Produkten und deren lokalen nachhaltige Produktion bemüht.

Die Aktion „Teller statt Tonne“ ist von Slowfood ins Leben gerufen worden, um das Bewusstsein für Lebensmittel – besonders für Lebensmittelverschwendung – zu schärfen. Deshalb arrangierten unsere Berufspraxis-Lehrerinnen Frau Hagel und Frau Humburg einen Ausflug in die Kommune Niederkaufungen, welche Gemüse- und Obstanbau für den eigenen Bedarf sowie für ernährungsbewusste Endverbraucher betreiben. Die Gärtnerei der Kommune produziert ausschließlich Biogemüse, welches man unter anderem im Hofladen „Rote Rübe“ erwerben kann.

So trafen wir uns dort am Freitag, den 6. November 2015, gemeinsam mit unserer Klassenlehrerin Frau Möller-Speichert , den Fachpraxislehrerinnen Frau Hagel und Frau Humburg und einer Vertreterin des Vereins von Slow Food aus Berlin, Lotte Heerschop, um gemeinsam zu ernten und zu kochen. Zuerst bekamen wir von Maike und Robby, die in der Gärtnerei der Kommune arbeiten, einen Einblick in das Leben in der Kommune. Wir stellten viele Fragen und räumten auch mit Vorurteilen gegenüber dem Kommunenleben auf.

In Kaufungen leben etwa 61 Erwachsene und 21 Kinder/Jugendliche in verschiedenen Wohngemeinschaften unterschiedlicher Größe miteinander. Das gesamte Leben und Arbeiten in der Kommune folgt gemeinschaftlichen Entscheidungen ohne hierarchische Struktur. Über prinzipiell alles, wie beispielsweise Essen, Finanzen, die Fahrzeuge des Fuhrparks oder bauliche Veränderungen wird gemeinschaftlich entschieden und mit allen geteilt, frei nach dem Motto: alles hier gehört uns allen. Gerade der finanzielle Aspekt veranlasste unsere Gruppe zu vielen Nachfragen und Diskussionen, denn für viele war der Gedanke des "Besitzlosseins" und des Erwirtschaftens in eine große Gemeinschaftskasse doch befremdlich und schwer vorstellbar. Allerdings behalten die drei Verwaltungspersonen im Kommunenbüro die Finanzen im Auge, um größere Einbußen abschätzen und vermeiden zu können. Trotzdem gibt es dort keine klassischen Angestelltenverhältnisse.

 

Dann folgte eine Führung durch die Gebäude der Kommune und die Besichtigung des Hofladens. In der Kommune gibt es viele verschiedene Arbeitsbereiche wie ein Metallbaubetrieb, eine Schreinerei, ein Betrieb für Dämmtechnik, eine Physiotherapiepraxis, eine Tagespflege für Demenzkranke, eine Obst-Manufaktur, ein Partyservice, eine Kindertagesstätte und ein Tagungshaus. Außerdem gibt die Möglichkeit in der Kommune Bundesfreiwilligendienst zu leisten.

Robby und Maike, die gemeinsam den Gartenbau in der Kommune betreiben und circa 2,2 Hektar Land bewirtschaften (der Ertrag ernährt circa 200 Personen), nahmen uns dann mit in die Gemüsekeller, um bereits geerntetes Gemüse nach Handelsklassen zu sortieren. Sie arbeiten zusammen mit der Gärtnerei Wurzelwerk in Escherode und betreiben sogenannte solidarische Landwirtschaft, wo die Lebensmittel nicht mehr über den Einzelhandel vertrieben werden, sondern in einen selbstbestimmten und selbstfinanzierten, regionalen Wirtschaftskreislauf fließen, was Existenzen in der Region sichert und zur nachhaltigen Entwicklung beiträgt. Die Landwirtschaft wird so wieder zur kulturell wertvollen und sozialen Angelegenheit. Darüber hinaus gibt es noch einen Selbsterntegarten für Dorfbewohner und eine Garten-AG für Kinder.

 

Mit unseren Kisten voll leckerer Kartoffeln, Zwiebeln, Rettich und Kürbissen, die wir aus dem Gemüsekeller mitgenommen hatten, ging es dann endlich aufs Feld. Dort teilten wir uns in Gruppen auf, um effizienter zu arbeiten. 

Eine Gruppe ging zum Ernten von Gemüse, welches zum Verkauf nicht tauglich war, jedoch für unsere Bedürfnisse Verwendung fand. Eine andere Gruppe ging zum Gemüse waschen an den nahe gelegenen Bach und die dritte begann im Gewächshaus mit dem Schneiden der verschiedenen Gemüsesorten..

 

 

Mit viel Spaß und Enthusiasmus fanden wir uns alle danach im Gewächshaus ein, um gemeinsam unsere Gemüsesuppe vorzubereiten. Sogar frischer Salat – im November - wurde geerntet und zubereitet. Der spannende Tag an der frischen Luft hatte uns allen großen Appetit gemacht und so waren wir alle sehr froh, als die Suppe endlich fertig war und wir uns einen leckeren Teller duftender Suppe nehmen konnten. Glücklich und zufrieden aßen wir gemeinsam im Gewächshaus und konnten uns danach gut gestärkt ans Aufräumen machen.

Natürlich haben wir alle Reste getreu dem Motto "Teller statt Tonne" eingepackt und mit nach Hause genommen. Es war für uns alle ein wunderbarer, spannender, interessanter, aufschlussreicher und genussvoller Tag, den wir nie vergessen werden, und wofür wir den Menschen, die all das möglich gemacht haben, unglaublich dankbar sind.

Anna-Theres Großwiede 11 GH2